Donnerstag, 04. April 2019

Über 4000 Jahre alte Steinaxt in HohenEichen

Menschen, die in unser Exerzitienhaus kommen, suchen normalerweise drei Dinge: Gott, sich selbst und Antworten auf ihre Lebens- und Glaubensfragen. Oft finden sie diese drei Dinge – und manchmal noch viel mehr.

So geschehen im Mai 2018. Marius Jocys SJ aus Litauen war am 28. April mit fünf Mitbrüdern aus dem Noviziat der Jesuiten in Nürnberg nach HohenEichen gekommen. Sie machten hier ihre 30-tägigen Exerzitien, die geistlichen Übungen nach Ignatius von Loyola.

„Am fünfundzwanzigsten Tag der Geistlichen Übungen – wir betrachteten die Stille des Grabes Christi – beschloss ich, am Nachmittag einen kurzen Spaziergang zu machen“, erzählt Marius Jocys SJ. „Und dabei blieben meine Augen plötzlich an etwas hängen, an einer ungewöhnlichen Steinform, die aus der Ackerfurche ragte.“

Marius Jocys SJ grub den Stein aus der Erde und staunte über die Form und das Loch in der Mitte. Er packte den Stein in seinen Rucksack und ging zurück nach HohenEichen. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf, die ihn von seinen frommen Betrachtungen ablenkten, wie er zugibt. Kurzzeitig überlegte er sogar, den Stein wegzuwerfen, um seine Ruhe wiederzufinden. Das tat er dann doch nicht und gab den Stein dem Novizenmeister, der ihn wiederum Wilfried Dettling SJ aushändigte, dem Leiter des Exerzitienhauses.

Pater Dettling nahm Kontakt mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen auf. Die Archäologen erkannten in dem geschliffenen und durchlochten Stein einen archäologisch bedeutsamen Fund: Es handelt sich um eine Streitaxt aus grünlichem Felsgestein (Amphibolit) aus der jüngeren Steinzeit (ca. 2800–2300 v. Chr.). Die damalige schnurkeramische Kultur erhielt ihren Namen nach der typischen Verzierung auf ihren Tongefäßen.

Pressetermin mit Übergabe der Steinaxt

Bei einem gemeinsamen Pressetermin am 3. April 2019 im Exerzitienhaus wurden der Fund und seine Epoche vorgestellt. Dr. Thomas Westphalen, Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege im Landesamt für Archäologie Sachsen, erläuterte, dass es sich bei Streitäxten um Statussymbole oder Waffen handelt, die Männern vorbehalten waren. Die hier gefundene Axt war eine Grabbeigabe und wurde durch das Abtragen des Grabhügels freigelegt.

Marius Jocys SJ erzählte auf sehr persönliche Weise, wie er den Stein gefunden hat und wie dieser Fund für ihn ein Kernmoment der ignatianischen Spiritualität veranschaulicht: Gott in allen Dingen suchen und finden. Und er ist sich sicher: „Das Leben ist voll unerwarteter Entdeckungen und es lohnt sich wirklich, diese mit anderen zu teilen. Denn man weiß nie, wie viel Freude und Sinn sie bringen werden – mir und anderen – und wie weit sie führen können.“

Anlässlich des Pressetermins wurde die über 4000 Jahre alte steinerne Streitaxt dem Exerzitienhaus vom Landesamt für Archäologie Sachsen als Leihgabe überlassen. Jetzt kann die Steinaxt von HohenEichen im Eingangsbereich des Seminarhauses besichtigt werden.

Hier können Sie sich einen kurzen Beitrag in der Drehscheibe Dresden von SACHSEN FERNSEHEN anschauen.