Freitag, 03. September 2021

„Ich bin dann mal da!“

Heute am 3. September trifft Jan Korditschke SJ in HohenEichen ein.

Pater Korditschke wird als Seelsorger und Exerzitienbegleiter im Haus mitarbeiten. Wir heißen ihn herzlich willkommen und wünschen ihm alles Gute für sein Wirken hier!

Pater Korditschke freut sich darauf, unsere Gäste nach und nach kennenzulernen und sie ein Stück ihres Weges zu begleiten. In der September-Ausgabe unseres Newsletters stellt er sich vor:

Mein Name ist Jan Korditschke. Ich bin 1976 in Schleswig-Holstein geboren. Zu meinen prägenden Kindheitserinnerungen gehören die Ferien mit meinen Eltern und meinem älteren Bruder an der Ostsee. Ich liebe es, am Strand zu sitzen und auf das offene Meer hinauszuschauen – in eine schier unendliche Weite. Sie lässt mich erahnen: Da ist eine Wirklichkeit, die viel größer ist als ich, die über mich hinausgeht und mich zugleich umfängt und in sich birgt, die geheimnisvoll und anziehend zugleich ist.

Obwohl in einer säkularen Familie aufgewachsen, war ich schon als Kind und Jugendlicher religiös interessiert. Ich ging gern zur Kirche, ließ mir aber auch von muslimischen Freunden ihre Moschee zeigen und las Bücher über jüdische Feste oder buddhistische Meditation. Ich hatte große Achtung vor den verschiedenen Wegen, auf denen Menschen zu einer größeren Wirklichkeit hin unterwegs sind. Welcher Weg aber könnte mein Weg sein? Bei meiner persönlichen religiösen Suche begleitete mich mein Konfirmationsspruch (nach Ps 119,64): „Die Erde ist erfüllt von deiner Güte. Herr, hilf mir, deinen Willen zu erkennen!“ Mit sechzehn Jahren trat ich dann zum katholischen Glauben über. Dass Christus sich mit mir in der Kommunion verbindet, empfand ich als großes Geschenk. Als Mitglied eines Jugendchores erlebte ich auf Konzertreisen quer durch Europa große Gastfreundschaft in verschiedenen katholischen Ortsgemeinden. Ein Benediktinerkloster ermöglichte mir erste eigene Erfahrungen mit Stille und Kontemplation.

Nach meinem Abitur studierte ich als Priesterkandidat des Erzbistums Hamburg Philosophie und Theologie in Sankt Georgen (Frankfurt am Main), wo ich die Jesuiten kennen und schätzen lernte. Jährliche achttägige Exerzitien wurden zu einem selbstverständlichen Teil meines Lebens. 2005 wurde ich in Hamburg zum Priester geweiht und hatte große Freude an der Arbeit als Kaplan dreier Gemeinden. Zugleich ließ mich die Frage nicht los, wie ich noch mehr so leben kann wie die ersten Jüngerinnen und Jünger, die mit Jesus mitgingen auf seinem Weg. Ein Leben als Jesuit schien mir auf diese Frage eine geeignete Antwort. Ich empfand die ignatianische Spiritualität als große Hilfe bei meiner Suche nach dem Willen Gottes für mein Leben. So trat ich 2008 in die Gesellschaft Jesu ein. Im Orden studierte ich spirituelle Theologie in Madrid. Zuletzt bereitete ich in Berlin als Leiter der Katholischen Glaubensinformation Erwachsene auf Taufe und Firmung vor.

Im Sommer 2019 pilgerte ich auf dem Camino de la Costa entlang der Atlantikküste in Richtung Santiago de Compostela. Bei meiner Ankunft am Strand von Santander war es eine Wohltat, nach einem langen Tag voller Hitze und Staub die Wanderstiefel ausziehen und barfuß durch den Sand laufen zu können, während kaltes Meerwasser meine Füße umspülte! Über mir wölbte sich der wolkenlose Himmel, vor mir erstreckte sich der Ozean in verschiedenen Schattierungen von azurblau und indigo bis türkis und smaragdgrün. Die strahlende Sonne schien kleine Diamanten glitzernd auf dem Wasser tanzen zu lassen. Eine leichte Brise hüllte mich ein und brachte eine willkommene leichte Abkühlung. In meinem Herzen stiegen Dankbarkeit, Freude und Friede auf und mir kam ein spontanes Gebet über die Lippen.

„Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden“ (Ex 3,5), so sprach Gott einst zu Mose. Exerzitien, bei denen ich die Hüllen und Lasten meines Alltagslebens ablege, können mich erfahren lassen, dass ich getragen bin vom Größeren, vom Heiligen. Wo ich mich gehalten weiß und zu vertrauen lerne, da richte ich mich auf und werde frei. Mein Blick weitet sich, und ich kann besser erkennen, was der nächste Schritt auf meinem Weg ist. Ich wünsche allen, die in HohenEichen Exerzitien machen, dass sie ihren eigenen heiligen Boden finden, und freue mich darauf, sie dabei ein Stück ihres Weges zu begleiten!