Dienstag, 21. Juni 2022

Konfliktbereit und innerlich frei

Zum Gedenktag des hl. Aloysius Gonzaga SJ

Heute begehen die Jesuiten den Gedenktag des hl. Aloysius Gonzaga. Er wurde Mitte des 16. Jahrhunderts als ältester Sohn eines Markgrafen in der Nähe von Mantua in Italien geboren. Um ihn in Etikette, Diplomatie und Politik einzuführen, schickte ihn sein Vater unter anderem an den königlichen Hof von Madrid.

Aloysius aber hatte anderes im Sinn als das Leben am Hof. Mit siebzehn Jahren erhielt der junge Mann nach hartem Ringen von seinem Vater die Erlaubnis, Jesuit zu werden.

Während seines Theologiestudiums in Rom brach die Pest aus. Als Aloysius sich der Pflege der Kranken widmete, steckte er sich selbst an. Er starb im Alter von knapp 23 Jahren.

Beim Blick auf das Leben dieses Heiligen treten vier Punkte deutlich hervor:

1. Aloysius‘ Konfliktbereitschaft: Aloysius‘ Vater hatte genaue Vorstellungen davon, was aus seinem Sohn werden sollte: nämlich der nächste Markgraf. Aber Aloysius gestaltete sein Leben nicht nach den Wünschen seines Vaters. Er weigerte sich, eine bloße Kopie seines Vaters zu sein. Dafür war Aloysius bereit, seinen Vater zu enttäuschen. Dafür war er bereit, sich mit seinem Vater anzulegen.

2. Aloysius‘ innere Freiheit: Diese bestand darin, der Mensch zu werden und zu sein, der er sein wollte. Aloysius spürte deutlich, welche Lebensweise ihm mehr Frieden und Freude schenkte und ihn zu mehr Vertrauen, Hoffnung und Liebe befähigte. Zugleich war ihm klar, dass er um diese Lebensweise würde kämpfen müssen. Das hat ihm sicherlich auch Angst gemacht. Aber Aloysius hat sich von dieser Angst nicht beherrschen lassen. Er hielt sie aus und ließ sich durch sie nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er lebte selbstbestimmt.

3. Aloysius‘ Bereitschaft, sich auf das einzulassen, wofür er sich entschieden hatte: Aloysius trat bei den Jesuiten ein. Aber er konnte nicht im Voraus mit Sicherheit wissen, ob diese Wahl richtig war. Das konnte er nur herausfinden, indem er sich auf das Ordensleben wirklich einließ, und das tat er. Hier wird et-was Allgemeingültiges erkennbar: Was für mich Sinn des Lebens ist, finde ich nur, wenn ich nach vorne lebe, etwas liebe, mich darauf einlasse. Ich muss das, wofür ich mich in meinem Leben entscheide, dadurch „wahr machen“, dass ich es lebe.

4. Aloysius‘ Einsatz für andere: Aloysius Gonzaga lebte etwas, was Jesuiten später so umschrieben: „ein Mensch für andere sein“. Aloysius verwirklichte sich selbst und entfaltete seine Fähigkeiten gerade dadurch, dass er keine Nabelschau betrieb, nicht um sich selbst kreiste und nicht bloß den eigenen Vorteil suchte. Vielmehr sah er auf seine Mitmenschen und darauf, wo sie ihn brauchten und er ihnen helfen konnte, und sei es bei der Krankenpflege.

In diesen vier Punkten kann uns das Leben des hl. Aloysius Gonzaga Denkanstöße für heute geben:
• bereit sein, unvermeidliche Konflikte auszutragen,
• innerlich frei bleiben, um die Menschen sein zu können, die wir sein wollen,
• uns einlassen auf das, wofür wir uns entschieden haben,
• uns dadurch selbst finden, dass wir für andere da sind.

Jan Korditschke SJ